Die Forts rund um Nizwa: Ein Blick in die Vergangenheit

Nizwa ist ein ausgezeichneter Ausgangspunkt für den Besuch verschiedener alter Wehranlagen in der Umgebung. Viele der Gebäude haben entweder die Jahrhunderte überdauert oder wurden in den letzten Jahren minutiös wieder rekonstruiert. Der vorherrschende Baustil sieht wehrhafte Mauern aus Lehm und an manchen Stellen auch aus Steinen vor, Pflanzenfasern dienen als verbindendes Material. Die meisten Forts waren in eine Stadtmauer integriert und beherbergten auch Wohngebäude und Lagerräume. Der Grundaufbau sah dabei vor, den eindringenden Feind maximal zu verwirren, in dem viele Treppen, Wege und Scheingänge ein regelrechtes Labyrinth im Inneren der Forts bilden. Die Dächer sind auch hier meist flach, Fenster waren vorwiegend in den oberen Geschossen über dem Boden angebracht, um die Luft zum zirkulieren zu bringen. Die Räume im Ergeschoss waren eher dunkel und mit fensterförmigen Nischen als Regalabstellplätze versehen.

Unter jedem Fort führte ein Falaj hindurch, der meist von der offenen Küche im Innenhof aus zugänglich war. Manche hatten außerdem eigene Brunnen oder Zisternen. Auch Ställe waren im Fort untergebracht, sowie Gefägnisse, Gerichtssäle und natürlich eine Moschee und die Koranschule – sofern das Fort wichtig genug war, um einen Imam zu beherbergen. Das führte auch dazu, dass einige Verteidigungsmaßnahmen vergriffen wurden. Besonders beliebt waren Schlitze über Zugängen durch die kochender Dattelsaft auf die Feinde geleert werden konnte und lose Bretter in den Treppen, die in der Nacht entfernt wurden und Angreifer in Fallgruben stürzen ließen. Besprechungsräume waren oft mit versteckten Türen oder Gruben versehen, hinter denen sich Wachen bereithalten konnten. Für besonders paranoide Herrscher gab es versteckte Flüsterzimmer für geheime Unterredungen. Hier ein paar Beispiele der sehenswertesten Forts in der Umgebung von Nizwa mit ihren Besonderheiten.

Bahla

Die Mauern sind vollständig aus Lehm geformt

Bahla war eine Zeit lang Hauptstadt und das Fort gilt als das größte und schönste im Oman. Als solches hat es das Fort nach einem umfassenden Wiederaufbau sogar zum UNESCO Weltkulturerbe geschafft. Heute kann es um umgerechnet ca. 1 Euro besichtigt werden.

Jabrin

Im Palast von Jabrin nahm der omanische Bürgerkrieg im 17. Jahrhundert eigentlich seinen Ausgang. Imam Bil’Arab hatte hier, südlich von Bahla seine neue Hauptstadt und ein regelrechtes Bildungszentrum eingerichtet und einen wunderschönen Palast bauen lassen. Sein Bruder wollte ihm allerdings den Titel abspenstig machen, weswegen der Palast nach und nach ebenfalls zur Wehranlage ausgebaut wurde. Letztendlich half dem Imam allerdings auch ein ganzer Turm voll Datteln und ein eigener unabhängiger Brunnen im Inneren der Anlage nicht weiter. Er wurde von seinem Bruder letztendlich ausgehungert.

Sallut

Entgegen diverser Koordinaten liegt die Ausgrabung ein Stückchen südlich von Jabrin direkt an der Straße. Auf einem kleinen Hügel wurde hier eine der ältesten Siedlungen Omans entdeckt. Schon seit Jahren arbeitet ein italienisches Forscherteam daran die Anlage aus Fort, Wohnbauten Grabstätten zu erfassen und auch wieder zu rekonstruieren. 2017 wurde das Gebiet leider vollständig eingezäunt, weswegen nicht viel mehr als ein Blick aus der Ferne möglich ist. Hier ein spannender Artikel über mehr Details zum Inneren des riesigen Areals.

Fuqqin

Wenig bekannt und selten beschrieben ist das kleine Fort von Fuqqin im Oasengürtel von Manah. Dafür ist es umso sehenswerter. Unscheinbar steht der hohe, aus zwei vollkommen getrennten Wohnbereichen stehende Turm im Ortszentrum. Umgeben ist er von einer Vielzahl an jahrhunderte alten zerfallenen Stein und Lehmhäuser zwischen denen man wunderbar auf Entdeckungstour gehen kann. An manchen Stellen sind sogar die Treppen in den zweiten Stock noch intakt, an anderen Stellen liegen Müllhaufen zwischen den verbliebenen Erdhügeln. Dennoch kommt es einem zwischen den engen Gässchen und verwinkelten Gebäudeteilen so vor, als könne man den alltäglichen Rummel des mittelalterlichen Dorfes hören. Händler rufen ihren Preise, Frauen tratschen am brunnen, Ziegen meckern, Kinder laufen kreischend in den Gassen herum, irgendwo schreit ein Esel, Töpfe klirren… Das kleine Örtchen eignet sich perfekt als Blick in die Vergangenheit und zeit auch sehr schön wie die anderen Forts ausgesehen haben müssen, bevor sie restauriert wurden.

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