Xinbeitou und National Palace Museum: Des Kaisers Reiseführer

Es ist an der Zeit den Blick ein wenig in die Vergangenheit Taiwans zu werfen. Zwar gibt es da noch bessere Orte als Xinbeitou und das National Palace Museum, beide behandeln jedoch zwei besondere Aspekte der taiwanesischen Geschichte: Die japanische Besatzung und die Kunstgeschichte.

Xinbeitou wird fast überall als eines der wichtigsten Ausflugsziele aus Taipei behandelt und hoch gelobt. Es sei vorweg genommen, dass ein Besuch nur im Zuge eines Zwischenstopps oder eines längeren Badeaufenthalts wirklich Sinn macht. Alles was sich außerhalb von Xinbeitous Onsen (Thermalbäder) abspielt, ist schnell gesehen und zeugt vor allem von vergangener Glorie.

Taiwan galt lange Zeit als Piratennest. Und schon im 16. Jahrhundert gab es einen mächtigen Flottenführer, der seine Stützpunkte am chinesischen Festland aufgeben und vor den Ming nach Taiwan flüchten musste. Von dort aus schwor er sich, das chinesische Reich wieder einzunehmen – Chiang Kai Shek war also nicht der erste mit diesem zum Scheitern verurteilten Plan.

Auch den Ostindien Kompanien von Niederlande und Frankreich lag viel daran einen Handelsstützpunkt auf Taiwan als Zwischenstation von Japan nach Europa zu errichten. Dass dabei die über 40 heute nachgewiesenen oder noch existenten heimischen Stämme immer wieder draufzahlen mussten, liegt auf der Hand.

Die taiwanesische Geschichte erzählt von einer Massenhinrichtung nach der anderen. Zuerst waren es die Kolonialmächte und die chinesischen Herren, die ihre Vorstellungen durchsetzten. Und 1836 wurden schließlich auch die Japaner erstmals der strategisch günstigen Lage Taiwans gewahr. Im folgenden Krieg zwischen Japan und China musste die Insel an Japan abgetreten werden, was dem Volk keine Befreiung sondern eine weitere Zwangsassimilation brachte.

In diesen Zeitraum fällt auch die Entstehung von Beitou bzw. Xinbeitou. In der Gegend wurden Schwefel abgebaut und die dazu gehörigen heißen Quellen gefunden, wodurch sie Stadt schnell zu einem Naherholungsort nach japanischem Vorbild wurde. Fußbäder mit warmem Quellwasser, öffentliche Freiluftbäder und unzählige Hotels mit privaten Onsen zieren das Stadtbild. Was jedoch in Orten wie Beppu aus einem ausgedehnten Netz an farbigen Seen und malerischen Pavillons besteht, beginnt und endet hier in einem kleinen Stadtpark. Viele der Hotels rundherum wirken heruntergekommen, ein Großteil der wenigen Sehenswürdigkeiten ist geschlossen. Fast wirkt es so als wäre man sich hier nicht sicher, ob man das Zeugnis der japanischen Herrschaft als Kulturdenkmal und Badeort erhalten oder doch lieber verändern sollte.

Von Xinbeitou sind es ca. 40 min zurück bis zum National Palace Museum. Dieses ist wieder an die Geschichte von Chiang Kai Shek geknüpft, der nach dem Ende des zweiten Weltkriegs vorsorglich eine Menge Geld und Kunstschätze aus China nach Taiwan bringen ließ, um sie dort bis zum endgültigen Sieg der Kuomintang in einem vereinten chinesischen Staat zwischenzulagern. Dieses Ziel hat sich nie umsetzen lassen, wurde aber bis in die 90er hartnäckig verfolgt, weshalb es auch nicht verwunderlich ist, dass man erst in den 60ern begann die Kunstschätze in einem provisorischen Museum der Öffentlichkeit zu präsentieren. Heute ist das National Palace Museum einem Tempel nachempfunden und alles andere als provisorisch.

Auf mehreren Ebenen werden Ausstellungen zu Themen wie buddhistische Skulpturen, Bronze, Jade, Keramik oder Malerei und Kaligraphie gezeigt. Kurios ist dabei vor allem, dass das Museum streng genommen die chinesische und nicht die taiwanesische Geschichte erzählt und komplementäre Kunstschätze des eigenen Landes vollig fehlen.

Einige Highlights sind die Bronzebehältnisse, die von einem ausgeprägten Ahnenkult der frühzeitlichen Chinesen erzählen (ab ca. 13. Jh.v.Chr.), die Malereien die Zeugnis über Reiseführer aus dem 16.Jh.n.Chr. ablegen, und die Jadefiguren von Kohl und Pak Choi, denen ein tiefer philosophischer Sinn innewohnt (17. Jh.n.Chr.).

Hier ein Überblick über ein paar spannende Exponate:

Das Gefäß zeigt eine beliebte chinesische Wächterfigur. Der Legende nach handelte es sich dabei um einen besonders weisen Mann, der es aufgrund seiner ausgesprochenen Hässlichkeit nie schaffte die Prüfungen zum Beamtenstatus zu bestehen. Tieftraurig über sein Versagen stürzte er sich ins Meer, nur um von einem Fischdrachen gerettet zu werden. Dieser verlieh ihm auch gleich übernatürliche Fähigkeiten und machte ihn zum Aufseher über alle staatlichen Beamtenprüfungen. Die Insignien, die er trägt und seine Körperhaltung („Dipper Kick“) symbolisieren seinen hohen Status und den Umstand Erster und Bester zu sein.

Der bronzene Kessel gehörte zu einer Spende, die Herzog Mao machte, als er im 13. Jh.v.Chr. von seinem Fürsten zur zweitmächtigsten Person des Reiches gemacht wurde, um endlich Ordnung und Frieden in das Land zu bringen. Herausragend ist dabei nicht etwa der Bronzekessel an sich, sondern die Inschriften im Inneren des Kessels. Dabei handelt es sich nämlich um die längste Ansammlung an Zeichen in einem Bronzegegenstand, die je gefunden wurde und die recht detailliert Aufschluss über den Umstand seiner Schenkung und die Situation von China zu dieser Zeit gibt.

Die Gemälde zeigen immer wieder ähnliche Ansichten des selben Sees oder Gebirges. Sie hatten mehrere Funktionen: Kaiser Quintiang wollte den Süden seines Reiches bereisen. Zu diesem Zweck wurden ihm von offiziellen Gesandten, wie auch Privatpersonen vorab Gemälde geschickt, die einerseits seinem Kunstgeschmack gefällig sein sollten und andererseits über das Reiseziel Aufschluss geben sollten. In einigen der Bilder sind daher auch wirklich Sehenswürdigkeiten entsprechend beschriftet (und aufgebauscht). Zusätzlich wurden Zeiten und Abläufe der Reise über diese Schriftrollen penibel festgelegt. Der Kaiser wiederum behielt sich vor, die Gemälde nach seinem Gutdünken mit Gedichten, Briefen oder Anmerkungen zu versehen. Diese Schriften sollten seine Vorfreude oder seinen Gefallen an einer Gegend ausdrücken. Gefielen ihm die Gemälde konnte es sogar passieren, dass er sie auf all seinen Wegen mit sich führte und sie von Künstlern mehrfach kopieren ließ. Die Künstler wiederum eiferten des Kaisers bevorzugtem Stil nach, wodurch sich viele Gemälde weder in Stil noch Inhalt deutlich voneinander unterscheiden lassen.

Aus der Zeit der letzten kaiserlichen Dynastie gingen äußerst detaillierte Werke hervor, wie etwa der Jade Cabbage, der tatsächlich häufig dargestellt wurde und eine vielfache Bedeutung erhielt. So stand er für den Kaiser für die Erinnerung an das Grundbedürfnis seines Volkes (Nahrung und Kleidung). Der Wissenschaftler strebte damit der Exzellenz entgegen und erinnert sich an die Vergänglichkeit kurzfristiger Berühmtheit. Die Braut erhielt damit ein Symbol ihrer Reinheit und den Wunsch nach viel gesundem Nachwuchs. Die Heuschrecken symbolisieren vor allem die Lebendigkeit des Lebensmittels.


Orte: Xinbeitou und Taipei National Palace Museum

Anreise nach Xinbeitou: MRT Red Line bis Beitou anschließend Umstieg in den Verbindungszug nach Xinbeitou

Anreise zum National Palace Museum: MRT Red Line nach Shilin in die Busse 255, 304, 18 oder 19 (bis zur Bushaltestelle unterhalb des National Palace Museums) oder die Linie xx (209?) direkt vor die Tür des Museums.

Kosten: 8 Euro (Eintritt ins Museum)

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