{"id":1234,"date":"2018-01-03T21:41:41","date_gmt":"2018-01-03T20:41:41","guid":{"rendered":"http:\/\/travel.googlehupf.at\/?p=1234"},"modified":"2018-07-25T21:45:49","modified_gmt":"2018-07-25T19:45:49","slug":"nizwa-omans-hauptstadt-im-herzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/travel.googlehupf.at\/?p=1234","title":{"rendered":"Nizwa: Omans Hauptstadt im Herzen"},"content":{"rendered":"<p>Nizwa gilt als heimliche Hauptstadt von Oman. Auf allen Seiten von Gebirgsz\u00fcgen umgeben, liegt die 100.000 Einwohner-Stadt am wasserreichsten Falaj Omans, dem Falaj Daris. Die Stadt besteht eigentlich aus einer Reihe an zusammengewachsenen Oasen, die sich um den Wadi Tanuf gebildet haben, wo auch das landeseigene Mineralwasser seine Quelle hat. Das Herz von Nizwa ist sein ovales Fort, das den Ausgangspunkt f\u00fcr eine Stadtmauer bildet, die den riesigen Suq sch\u00fctzend eingrenzt. Nizwa war auch f\u00fcr einige Zeit tats\u00e4chlich die Hauptstadt, bevor der B\u00fcrgerkrieg und mehrere Gegenimame im 17. und 18.Jahrhundert einen stetigen Wechsel an politischen Zentren hervorgerufen haben. Heute ist Nizwa ein wunderbar renoviertes St\u00e4dtchen von dessen vollst\u00e4ndig wieder aufgebautem Fort man einen hervorragenden Blick \u00fcber die ganze Oase hat und in dessen Suq man nicht nur gut einkaufen, sondern auch ein paar warmherzige Bekannschaften machen kann.<\/p>\n<p>Das Fort besteht eigentlich nur aus einem Wehrturm mit ca. 40 Meter Durchmesser, der sich gleich hinter der (alten) Sultan Qaboos Moschee auft\u00fcrmt. Die Moschee ist auch f\u00fcr Nicht-Muslime zwischen 8:00 und 11:00 Uhr zu besichtigen, solange die Besucher Arme und Beine vollst\u00e4ndig bedecken, die Schuhe ausziehen und die Frauen Kopftuch tragen. Auch hier wird ein blauer Teppich ausgerollt, damit kein Schmutz auf den riesigen Kn\u00fcpfteppich am Boden gelangt. Sauberkeit wird n\u00e4mlich generell sehr gro\u00df geschrieben. Es passiert sehr leicht, dass die Einheimischen im Vorbeigehen bei staubigen Hosenbeinen die Nase r\u00fcmpfen, w\u00e4hrend sie selbst strahlend wei\u00dfe Dishdahs tragen. Im Gegensatz zur riesigen repr\u00e4sentativen Moschee und Muskat (und wohl auch zur neuen Moschee vor den Toren Nizwas), wirkt dieses Geb\u00e4ude viel schlichter und mehr im allt\u00e4glichen Gebrauch.<\/p>\n<p>Gleich hinter der Moschee liegt einer der Eing\u00e4nge in die Altstadt und der Eingang ins Fort. \u00c4hnlich wie viele Forts in der Region ist auch dieser Bau fast ausschlie\u00dflich aus Lehm errichtet worden und hat im Gegensatz zu vielen anderen historischen Geb\u00e4uden auch tats\u00e4chlich die Zeit \u00fcberdauert. Die Kanonen auf dem Turm kamen zuletzt in den 1960er Jahren zur Jebel Akdhar Revolution zum Einsatz, als es abermals Versuche einer Art Unabh\u00e4ngigkeit in der Region gab und britische Flieger Luftangriffe auf Nizwa starteten.<\/p>\n<p>Heute kann man nach Belieben durch eine Vielzahl an Wohngeb\u00e4uden, R\u00e4umlichkeiten der Wachen und Lagerr\u00e4umen wandern und die Ruhe genie\u00dfen, wenn der anschlie\u00dfende Suq zwischen 13:00 und 16:30 Uhr geschlossen hat. Auf dem Turm sind sogar Kissen und Teppiche ausgelegt, in denen man den angenehmen Schatten der 10 Meter hohen Turmmauern genie\u00dfen kann. In den vielen Innenr\u00e4umen stellen Handwerker verschiedene Aspekte des traditionellen Handwerks vor und es gibt ein kleines Museum, das unter anderem \u00fcber das Indigof\u00e4rben aufkl\u00e4rt, das f\u00fcr die traditionellen Kleidungsst\u00fccke unerl\u00e4sslich war.<\/p>\n<p>Dazu ein kleiner Exkurs zu den Kleidungsst\u00fccken der Frauen und der viel diskutierten Burka. Auch im Oman gehen die Frauen niemals ohne ihr Kopftuch und die bodenlangen, weiten Kleider auf die Stra\u00dfe. Der Grund daf\u00fcr ist vorwiegend praktischer Natur. Am Land wie in der Stadt werden kostbare seidige Stoffe bevorzugt, die angenehm k\u00fchl auf der Haut liegen. Um diese Stoffe vor Licht und Schmutz zu sch\u00fctzen, werden lange Kopft\u00fccher getragen, die gleichzeitig als \u00dcberwurf dienen und oft bis unter die Knie reichen. Am Land sind die Stoffe generell farbenfroh und mit goldenen oder zumindest glitzernden Borten bestickt. In der Stadt setzt sich mittlerweile Schwarz als Modefarbe durch, wobei auch hier vielf\u00e4ltige Applikationen auf den feinen Stoffen angebracht sind und manchmal nur der \u00dcberwurf wirklich schwarz ist. Nur besonders noble Damen ziehen es vor sich ganz in schwarz zu kleiden und ihr Gesicht samt Augen komplett hinter einem Schleier zu verstecken. Sonnenbr\u00e4une oder gar Sommersprossen sind in gehobenen Kreisen n\u00e4mlich \u00e4hnlich verp\u00f6nt, wie man es aus Japan kennt. Die Burka letztendlich besteht im Oman nur aus einer richtigen Gesichtsmaske, die man im allt\u00e4glichen Gebrauch allerdings eher selten sieht. Jede Region hat einen eigenen Schnitt f\u00fcr diese Maske, die traditionell auch nicht schwarz, sondern indigoblau ist, da sie gleichzeitig als Symbol des Erwachsenenalters und als Talisman getragen wurde. Historisch geh\u00f6ren au\u00dferdem schwere Silberketten zu dieser Tracht, so trugen die Beduinenfrauen n\u00e4mlich ihren Reichtum mit sich herum. Der \u00dcberwurf hatte so schlicht die Funktion das Geld zu verstecken.<\/p>\n<p>Die M\u00e4nner tragen eher einfache bodenlange Hemden (Dishdash) und eine Kappe. Am Hals sieht man einen kleinen Pommel, der morgens in Parfum getunkt wird, damit stets ein angenehmer Geruch in der Nase bleibt. Bei offiziellen Aktivit\u00e4ten wird zus\u00e4tzlich ein Turban \u00fcber der Kappe getragen, an Feiertagen geh\u00f6rt auch der traditionelle Silberdolch (Khanjar) und manchmal ein altes Gewehr zur Tracht.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur Altstadt von Nizwa: Es versteht sich von selbst, dass all die beschriebenen Kleidungsst\u00fccke neben einer Vielzahl an Souveniers und nat\u00fcrlich jeder Art von Lebensmitteln am Suq gekauft werden k\u00f6nnen. Im Gegensatz zu Touristenmeile in Mutrah halten sich die Ladenbesitzer dezent im Hintergrund und verhandeln auch nicht gerne. Beraten wird stets freundlich und am liebsten bei Kaffee und Datteln. Die L\u00e4den sind dabei ein kuriose Ansammlung an echten Antiquit\u00e4ten, altem Ramsch und Souveniers. Neben dem Handwerksabschnitt, gibt es eine ganze Stra\u00dfe an (meist indischen) Schneidern und Stoffgesch\u00e4ften, Haushaltswaren und schlie\u00dflich dem Obst- und Gem\u00fcsemarkt, in dem auch die verschiedensten Geschmacksrichtungen des Halwa verkauft werden. Besonders sehenswert ist der Dattelsuq, wo man sich durch die verschiedensten Dattelsorten kosten kann und als einf\u00e4ltiger Ausl\u00e4nder lernt, dass es 120 verschiedene Sorten davon gibt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/travel.googlehupf.at\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_2263.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-large wp-image-1323\" src=\"http:\/\/travel.googlehupf.at\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_2263-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"848\" height=\"636\" srcset=\"https:\/\/travel.googlehupf.at\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_2263-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/travel.googlehupf.at\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_2263-300x225.jpg 300w, https:\/\/travel.googlehupf.at\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_2263-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 848px) 100vw, 848px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/travel.googlehupf.at\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_2293.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-large wp-image-1325\" src=\"http:\/\/travel.googlehupf.at\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_2293-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"848\" height=\"636\" srcset=\"https:\/\/travel.googlehupf.at\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_2293-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/travel.googlehupf.at\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_2293-300x225.jpg 300w, https:\/\/travel.googlehupf.at\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_2293-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 848px) 100vw, 848px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Zu Gast bei einer omanischen Familie<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/travel.googlehupf.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_2204.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-large wp-image-1322\" src=\"http:\/\/travel.googlehupf.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_2204-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"848\" height=\"636\" srcset=\"https:\/\/travel.googlehupf.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_2204-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/travel.googlehupf.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_2204-300x225.jpg 300w, https:\/\/travel.googlehupf.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_2204-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 848px) 100vw, 848px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wer sich ein bisschen Zeit nimmt und mit den Einheimischen plaudert, wird auch leicht eingeladen. So haben auch wir unseren Hochzeitstag im Wohnzimmer eines netten Omanis namens Amor bei einem kleinen Festmahl verbracht. Abgesehen von Muskat ist die Gegend nach wie vor nur mittelm\u00e4\u00dfig touristisch, weswegen die Einheimischen auch den Ausl\u00e4ndern gegen\u00fcber gerne ihre Gastfreundlichkeit zeigen. F\u00fcr Europ\u00e4er recht ungewohnt wird daf\u00fcr nichts erwartet, au\u00dfer einer netten Unterhaltung und die Aussicht bei der Durchreise vielleicht irgendwann mal auch auf Besuch kommen zu k\u00f6nnen. So sagt auch unser Gastgeber grinsend: &#8222;Have a friend in every country.&#8220; Die Omanis sind vielleicht auch ein wenig eigenn\u00fctzig in diesem Verhalten, weil sie wirklich gerne \u00fcber ihr Land und ihre Br\u00e4uche erz\u00e4hlen und manchmal wohl etwas frustriert dar\u00fcber sind, dass man sie im Ausland gar nicht kennt oder viele Vorurteile herrschen.<\/p>\n<p>Gegessen wird \u00fcbrigens am Boden. Ein Papiertischtuch dient als Unterlage. Vor der Hauptspeise wird Kaffee und Datteln mit Sesamsauce sowie frisches Obst serviert. Zur Hauptspeise haben wir gekochte Wachteln und eine Art K\u00fcrbis in Milchsauce genossen. Ein einfaches aber wirklich wohlschmeckendes Essen. Gegessen und gereicht wird ausschlie\u00dflich mit der rechten Hand. Abf\u00e4lle werden anschlie\u00dfend zusammen mit der Unterlage entsorgt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nizwa gilt als heimliche Hauptstadt von Oman. Auf allen Seiten von Gebirgsz\u00fcgen umgeben, liegt die 100.000 Einwohner-Stadt am wasserreichsten Falaj Omans, dem Falaj Daris. Die Stadt besteht eigentlich aus einer Reihe an zusammengewachsenen Oasen, die sich um den Wadi Tanuf gebildet haben, wo auch das landeseigene Mineralwasser seine Quelle hat. 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